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  • Berliner HP Fachschule

Kompensation

Vom Versuch den Schmerz des Traumas auszulöschen




Die Vielfältigkeit von Kompensationsmechanismen ist wohl so individuell und bunt, wie die Menschen und ihr Erleben selbst.

Eine derartig schwerer Erschütterung wie familiäre, und im schlimmsten Fall sexualisierte, Gewalt, wozu natürlich auch die emotionale Gewalt zählt, verdrängen zu müssen, erfordert von dem betroffenen Menschen unglaubliche Kräfte. Ein Unterfangen welches durch die zwangsweise entstandenen Spätfolgen, aufgrund der Defizite in der Entwicklung, klar macht, dass dies auf Dauer nicht ohne zusätzliche "Hilfsmittel" funktionieren kann.


Schnell ist man hier bei Medikamenten und Drogen, die den Schmerz nicht nur betäuben sollen, sondern viel mehr noch das "Funktionieren" sicherstellen sollen.

Das fängt bei der Kopfschmerztablette für den Spannungskopfschmerz, der sich zur handfesten Migräne ausbildet, an und endet in einem anhaltenden Trieb nach Betäubung und "Nichts-merken-wollen" in einer Suchterkrankung oder sogar Schlimmeres.

Oft entwickeln sich zusätzliche körperliche Symptome, die sich über die anfängliche Funktionsstörung, beispielsweise dem Magen zum entarteten Magengeschwür, einer Autoaggressionserkrankung aufgrund der jahre- und jahrzehntelangen Spannungen entwickeln kann.


Aber nicht jeder Betroffene greift zu Medikamenten oder Alkohol und eine Dekompensation, wie zum Beispiel eine Essstörung, eine psychische Erkrankung, die sich entwickelt und den inneren Druck auf pathologische Weise ausdrückt wird zur indirekten Kompensation und damit Ablenkung für sich selbst und für das soziale Umfeld.

Aber dies sind nur einige wenige Beispiele.

Kompensation bedeutet vereinfacht Ausgleich, Gegengewicht.

Das heißt durch einen Gegenreiz wird vom ursprünglichen Problem / Trauma abgelenkt. Die nicht gelebten, gestauten Gefühle suchen sich jedoch auch bei der Flucht vor den Schatten der Vergangenheit ein negatives Ventil in Form von vielfältigsten Symptomen und Erkrankungen, die bei näherer Betrachtung nicht selten aufgrund von verdrängten Körperflashbacks entstanden sind.

Dies läßt sich am Beispiel Asthma verdeutlichen, da körperliche Gewalt am Kind und Jugendlichen nicht selten mit Erstickungsgefühlen zu tun hat. Setzt man die Hand eines Erwachsenen ins Verhältnis zu einem kindlichen Kopf oder zum Hals, wird schnell klar, wie sich gegenwärtiger Druck und Angst in dem körperlichen Flashback wiederspiegeln kann. Was im Bewusstsein bleibt sind die Symptome und die Erkrankung nicht die Ursache und so stellt nicht selten selbst die Erkrankung im weitesten Sinne eine Kompensation dar, obwohl sie ein dekompensierter Zustand ist. Nicht zuletzt auch weil die Erkrankung die Aufmerksamkeit des Umfeldes auf sich zieht und zum traurigen Lebensinhalt wird.


Allgemeinhin stellen wir uns unter Kompensation Ablenkung über Arbeit, das Familienleben, die Kinder, Menschen im Allgemeinen oder auch ein ausgeprägtes negatives Helfersyndrom vor. Die Projektion der eigenen unbewussten Probleme auf andere Menschen spielt dabei natürlich auch keine unerhebliche Rolle und wird mit ihren Folgen nicht lange auf sich warten lassen.


Wir leben in einer Zeit in der wir stets und ständig erreichbar und funktional sein "müssen", da ist es nicht schwer sich vom Wesentlichen abzulenken und die Gesundheit und damit sich selbst auf der Strecke zu lassen und schließlich zu vergessen.

Die Handysucht und die sozialen Medien werden zum neuen Behandlungsfeld bei uns Heilpraktikern und die virtuelle Welt erschafft, auch durch die Anonymität, ein unglaubliches Spektrum an negativ gelebter Aggression und Projektion.

Gerade Menschen, die ein erhöhtes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Ablenkung vor den sich in Ruhe aufdrängenden Gefühlen und Gedanken von einst haben, finden hierin ihre Kompensation.

Kompensation bedeutet die Angst vor der Ruhe, den sich ins Bewusstsein drängenden, gestauten Gefühlen keinen Raum geben zu wollen. Diese Menschen leben damit weiterhin in der Erfahrungswelt des Traumas und unterbinden den Heilungsprozess der Seele und betreiben auf diese Weise Raubbau an sich selbst. Zumeist behandeln sie sich und andere unbewusst so wie sie selbst behandelt wurden und leben unkontrolliert das was sie eigentlich tief verdrängen wollten.


Die durch die Kompensationsmechanismen entstehenden zusätzlichen Spätfolgen fordern, gemeinsam mit denen, die man verdrängen wollte, früher oder später ihren Tribut und stellen den Menschen vor die Wahl sein Leben nochmal aufzuräumen oder sich dem Sterben auf Raten hinzugeben. Ja, sterben klingt hart, aber auch ein Workaholic, der durch den Erfolg seiner Arbeit äußerlich noch ganz gut aussieht, wird über kurz oder lang möglicherweise am Herzinfarkt, am Schlaganfall oder dem endgültigen psychischen Zusammenbruch sterben können.


Für den HelferIn ist zu sagen, dass Hilfe erst angenommen werden kann, wenn der Betroffene bereit ist sein Leben zu verändern und erkennt, dass die Kompensation für eine Zeit sein Schutzschild und eine Rüstung war unter der er jetzt mehr leidet, als dass sie ihm hilft. Der Kompensationsmechanismus hat ihm die weitere Verdrängung ermöglicht, kann jedoch nicht der Weg in ein Leben sein, von dem er im Grunde seines Herzen schon sein Leben lang träumt.


Erst wenn die Vergangenheit in unser Leben integriert ist und wir wissen wer wir sind, habe wir die Chance auf uns selbst und unser Leben.